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praktika

Höhepunkte für die Klassen sind die Praktikazeiten, die meistens ausserhalb der Schule stattfinden. Hier werden unvergessliche Lernerfahrungen beim Anschauen von Kunststätten, in der Erforschung der Natur, im sozialen Miteinander oder beim Theaterspielen gemacht.

 

Entdecken der Welt in Florenz oder Rom

Gleich zu Beginn des 10. Schuljahres gehen die Schüler*innen der Atelierschule auf eine Kunstreise. Ziel ist Florenz oder Rom, wo Schlüsselwerke der Renaissance und des Barock betrachtet und interpretiert werden. Es geht um Malerei von Botticelli oder Raffael, Skulpturen von Michelangelo und Architektur von Brunelleschi oder Bramante. Bereichert werden die Kunstbesichtigungen durch zeichnerische Übungen, in denen es gilt, sich skizzierend mit einem Motiv auseinanderzusetzen und so die eigene «Handschrift» in ein Gespräch mit jener eines Künstlers, einer Situation oder eines Ortes zu bringen. Sinn der Reisen ist eine persönliche Aussen- und Innenschau: Wie die Künstler der frühen Neuzeit entdecken die Schüler*innen durch Beobachten, Festhalten, Denken und Verarbeiten die äussere Welt und sich selbst neu. Zu diesen Erfahrungen kommt das Gemeinschaftserlebnis des Reisens im Zug, des Spazierens durch die Stadt und des gemeinsamen Essens. Die Klassen kommen von den Italienreisen als geformte Gruppen zurück.

 

Im Feld angewendete Mathematik

Alle 10. Klassen unternehmen ein einwöchiges Feldmesspraktikum, meistens in Schweizer Bergregionen. Hier werden die theoretischen Gesetze der Trigonometrie praktisch angewendet, indem mit klassischen Messgeräten von eigener Hand und Auge ein Stück Land vermessen und kartografiert wird. Staunend können Schüler*innen erfahren, wie die räumliche Wirklichkeit der Erde durch Qualität, Genauigkeit und Zusammenhang ihrer eigenen Messdaten erfassbar wird.

Zur Auswahl stehen drei Landschaftspraktika in unterschiedlichen Regionen. Alle Praktika zeichnen sich durch eine intensive, projektorientierte und praxisnahe Auseinandersetzung mit der Natur aus. Dabei werden ökologische, geografische, künstlerische sowie interdisziplinäre Perspektiven der Feldforschung miteinander verknüpft.

 

Île d’Yeu: Ökologie, Meeresbiologie und Geografie

An der Fels- und Dünenküste dieser kleinen Atlantikinsel in Frankreich unternehmen die Schüler:innen in kleinen Gruppen selbständig Beobachtungen, Messungen und Untersuchungen der Tier- und Pflanzenwelt. Sie lernen verstehen, wie Wind, Licht, Salz und Boden, Sand, Fels das Leben beeinflussen. Wir möchten Pflanzen so wahrnehmen, dass man an ihnen ablesen kann, wie sie sich mit den Elementen auseinandersetzen, den Gegensatz der Côte sauvage und der Dünenlandschaft erleben und das Fels- und das Sandwatt als (Über-)lebensraum der Algenvegetation und der Tiere im Ebbetümpel untersuchen. Die geografischen Besonderheiten der Insel, zum Beispiel ihre Entstehung, werden durch Bodenanalysen und Exkursionen an besondere Orte entdeckt, das dynamische Wettergeschehen wird unmittelbar verfolgt und in klaren Nächten leuchten die Sterne, die wir mit dem Teleskop betrachten.

 

Tagliamento: Ökologie, Geografie und Kultur am letzten Wildfluss der Alpen

Der Tagliamento ist der letzte Alpenfluss, der noch alle ursprünglichen Merkmale aufweist: einen verzweigten Mittellauf mit mächtigem Schotterbett und einen frei mäandrierenden Unterlauf, Auenwälder und eine beispiellose Vielfalt an Lebensräumen und Pflanzen- und Tierarten. Das zweiwöchige Landschaftspraktikum am Tagliamento bietet die Möglichkeit, einen der eindrücklichsten Flüsse Europas mit allen Sinnen zu erleben und von verschiedenen Seiten zu erforschen. Wir erleben den ganzen Fluss – von der Quelle bis zum Meer – aus ökologischen, geographischen und künstlerisch-kulturellen Perspektiven. In der ersten Woche arbeiten die Schüler:innen in Gruppen an einem eigenen Forschungsprojekt und lernen wissenschaftliche Methoden (Fragestellung entwickeln, Daten sammeln, auswerten und präsentieren). In der zweiten Woche fahren wir mit den Velo bis ans Meer. Unterwegs entdecken wir unterschiedliche Stellen des Flusses und begegnen Menschen, die am Fluss forschen und leben und sich für seinen Erhalt einsetzen.



Engadin: Künstlerische Forschung, Geografie und Ökologie

Ziel dieses Landschaftspraktikums im Engadin ist, die Wahrnehmungsfähigkeit und das Verständnis der Schüler:innen gegenüber der Atmosphäre, der Eigenart und Ganzheit von Landschaftsgebieten aus dem Blickwinkel von Kunst, Geologie und Ökologie zu fördern. Das Verständnis der Mensch-Natur-Beziehung wird sensibilisiert und die Motivation für umweltbewusstes Handeln gesteigert. Unser Forschungsprojekt findet im Engadin statt. Hier basiert die Landschaft auf eiszeitlich geprägten Formbildungen. Die Besonderheiten der Vegetation, des Klimas und einer nachhaltigen Berglandwirtschaft sind exemplarisch. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landschaft sind deutlich wahrnehmbar. Vor Ort finden ökologische und geografische Exkursionen, Inputs und künstlerische Auseinandersetzungen mit der Landschaft statt. Kunst versteht sich hier als ein Modus von Wahrnehmung im Sinne der Künstlerischen Forschung im interdisziplinären Feld zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Methoden.

 

 

Das Ich wächst am Du

Das Sozialpraktikum in den 12. Klassen ermöglicht die spannende Begegnung mit sozial schwachen, beeinträchtigten oder behinderten Menschen. An gewählten Praktikaplätzen, zum Beispiel in sozialtherapeutischen Einrichtungen in der Schweiz oder als Gruppe auch in einem Kinderheim in Bulgarien, helfen die Schülerinnen und Schüler bei der Betreuung seelisch, sozial oder physisch bedürftiger Menschen. Sie erleben und begleiten deren Alltag, erhalten Einblicke in die Herausforderungen unbekannter Lebenswelten und begegnen einer grossen Diversität im menschlichen Gegenüber und Miteinander.

Spielerisch überfachlich lernen

Am Ende der 12. Klassen wirken alle Schülerinnen und Schüler an einem Theaterprojekt mit. Zeitgleich stehen aktuell drei bis vier Projekte verschiedener Ausrichtung zur Wahl: Bühnentheater, Theaterspiel in sozialem Kontext mit behinderten Kindern und Jugendlichen, Tanzaufführungen oder ein Filmprojekt. Theaterspielen verfügt über grosses Potenzial, da es in spielerischer Weise das Erüben überfachlicher Kompetenzen initiiert und fördert, vom sprachlichen und gestischen Ausdruck über geistige und körperliche Beweglichkeit bis zur Interaktion, Wahrnehmung und Präsenz im Auftritt. Unabhängig von den Voraussetzungen, die sie mitbringen, können Theaterprojekte alle Schüler*innen erreichen und in eine lebensvolle Projektgemeinschaft zum Abschluss der 12. Klasse verwandeln.