top nach oben

impulse 

digitales magazin • seminar atelierschule

 

 

nr. 1 • november 2022

 

 

 

der neuen generation entgegen

 

 

«Wir haben, aus dem vorigen Jahrhundert kommend, alle die Vorstellung, dass es irgendjemanden geben muss – den lieben Gott oder den Kaiser oder die Regierung –, der das in die Hand nimmt. Und das ist, glaube ich, eine Illusion. Das Wichtigste ist, dass die Menschen zuerst aufhören müssen, daran zu glauben, dass jemand anders es für sie macht. Das ist die allerwichtigste Veränderung.» – Gerald Hüther
 
In meiner nun mehr als 25-jährigen Tätigkeit als Lehrer habe ich das Jugendalter immer auch als einen von Labilität begleiteten Lebensabschnitt erlebt. Normal. Jugendlich sein heisst auch eine handfeste Identitätskrise zu durchleben. Als Jugendlicher sucht, probiert, entwirft und verwirft man Identitäten, die tragfähig, freudvoll und sinnstiftend sind. Seit einigen Jahren werden diese Identitätsversuche, diese «Labilitäten» aber zunehmend unsicherer bewältigt und gleiten über zu leichten bis zu schweren Störungen: Angststörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Depression, Selbstverletzungen usw. Formen der Hochsensibiliät, des AD(h)S, des Autismus tauchen verstärkt auf. Die Individualität kann zunehmend schwerer ihr Leben ergreifen. Jugendliche mit therapeutischem Hintergrund werden zur Normalität. Es fehlt ihnen vermehrt an Lebenskraft. Damit meine ich, sein Leben vertrauensvoll anzugehen, in dem Glauben, die Zukunft bewältigen zu können. Die Kraft, eigene Ideale zu haben, und den Mut und die Freude, sie zu verwirklichen. In inspirierende, vertrauensvolle Menschenkreise eingebunden zu sein. Mit Lebenskraft meine ich, frei nach Henning Köhler: »Ich gestalte mich in die Welt für dich.» Und diese schöne Kraft der Verbundenheit, die die Kraft der Gestaltung und Selbstgestaltung mit einschliesst, scheint teilweise abzunehmen oder neue Formen anzunehmen.
 
Die Atelierschule wird im kommenden Jahr 20 Jahre alt. Dazumal hatten wir ein Schulmodell entwickelt, dass die bestehende Oberstufe reformierte und neu auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einging. Das war die Generation der Millenials, die sogenannte Generation Y. Seit einigen Jahren haben wir eine neue Generation in unseren Schulzimmern. Sie wird Gen Z genannt. Ihr werden verschiedene Eigenschaften zugeschrieben (vgl. u.a. Shell Jugendstudie, Gen-Z-Studien von Zenjob, Zeam und Link.). Ähnlich ist allen Beschreibungen, dass uns diese Generation besondere Fragen aufgibt.

Ich habe den Eindruck – und auch die Sorge –, dass Jugendliche dieser neuen Generation, die ich als sensibel, frei und wahrhaftig erlebe, oft in Not sind, da sie an Lebenskraft verlieren, ihnen Lebenskraft geraubt wird. Der Zugang zu ihren Lebensimpulsen geht ihnen leicht verloren. Wir sind als Pädagogen aufgefordert, dieser neuen Generation gerecht zu werden. Bei unserer Schulgründung vor 20 Jahren hat uns das Entwickeln von Schulmodellen geholfen. Unserer heutigen Schülerschaft wird es aus meiner Sicht nicht helfen, wenn wir nun die Schule mit einem neuen Schulkonzept erneuern. Unsere Schüler:innen brauchen mehr als frühere Generationen sich hinwendende, authentische Lehrpersonen, die sich ihrer Fragen mit tiefem Ernst annnehmen und ihren Unterricht, ihren Umgang, ihr Verhältnis mit den Schüler:innen daraus entwickeln. Die Lehrpersonen sind aufgefordert, einen schöpferischen, inspirierten und motivierten Kontakt zur Schülerschaft zu pflegen und bisher Erprobtes in Frage zu stellen. Es wird niemand anders für uns machen. Das erfordert Mut und eine Gemeinschaft, die stützt und fördert.
 
Im letzten Schuljahr habe ich meine langjährige Tätigkeit als Schulleiter abgegeben und möchte mich nun in den kommenden Jahren neben dem Unterricht im Bildnerischen Gestalten ganz diesen Themen widmen. Zum einen im Aufbau der neuen Stelle der Schüler:innen-Begleitung an der Schule. Ich hoffe, dass wir hier eine Möglichkeit schaffen, Schüler:innen in krisenhaften persönlichen Situationen Angebote an die Hand zu geben, die sie in ihrer Lebenskraft stärken. Zum anderen möchte ich mich für den Aufbau und die Ausgestaltung des Seminars Atelierschule engagieren, um einen Ort zu schaffen, an denen Lehrer:innen Impulse bekommen können und sich ermutigt fühlen, ihren eigenen pädagogischen Weg zu gehen. Einen Ort, an dem wir Kräfte entwickeln und pflegen, um den Schüler:innen in Zeiten tiefgreifenden Wandels zur Seite stehen zu können.

Henrik Löning

 

 


 Auch in: Jahresheft 2022, Atelierschule Zürich, November 2022.

  

 

 

Buchhinweis

 

 

«waldorfpädagogik»

 


Die rauschenden Begriffe der pädagogischen Fachliteratur über Selbstoptimierung, Selbstwirksamkeit oder Selbstperfektionierung bergen die Gefahr einer Einseitigkeit und Selbstverblendung. Im 21. Jahrhundert ist nicht die persönliche, subjektive Entfaltung erstrebenswert, sondern die Erweckung der geistigen, kreativen Kräfte, die im Menschen schlummern; sie allein können Natur und Mensch versöhnen. Es geht um die Überwindung der egoistisch-persönlichen Gefühle des Menschen und insbesondere der Pädagogen.

Die Grundlagen einer modernen Pädagogik müssen stets das einzelne Kind, die Schülerin, den Schüler, die Jugendlichen als Werdende ins Zentrum stellen und die in ihnen vorhandenen Veranlagungen wahrnehmen sowie gezielt fördern. Aus empirisch wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass die Beziehung zwischen dem Unterrichtenden und seinen Schüler:innen ausschlaggebend ist für die Förderung der Lernprozesse. Nicht das Was (der Stoff) ist allein entscheidend, sondern das Wie (Transmission) schafft eine vertrauenswürdige und nachhaltige pädagogische Beziehung – das, was sich zwischen den Protagonisten abspielt, ist relevant und entwicklungsfördernd. Der Schüler braucht über eine längere Zeitspanne ein Klima der Zuverlässigkeit, Offenheit, Empathie, Wärme, Weltinteresse und Klarheit: eine Umgebung der Selbstlosigkeit. Rudolf Steiner beschreibt diesen Impuls als den guten Geist der Waldorfschule. Und dieser gute Geist ist – so Steiner – kein Abstraktum, sondern eine geistige Realität, die beschrieben werden kann.

Auf Einladung hielt Steiner 1923 an einer pädagogischen Tagung im englischen Ilkley eine Reihe von Vorträgen mit dem Titel «Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung» und fasste darin zusammen, was eine moderne Erziehungskunst charakterisiert: «Pädagogik ist, im Grunde genommen, aus Menschenerkenntnis heraus resultierende Liebe zum Menschen», eine Äusserung, die Tomáš Zdražil als Untertitel für seine Schrift über die Waldorfpädagogik gewählt hat. Hiermit ist das Wesen der Menschlichkeit, das Allgemein-Menschliche, gemeint. Eine geistige Realität kann Inspirationsquelle für die Handhabung der Pädagogik sein. Sie soll, wie Steiner meinte, nicht «intellektuell-gemütlich» verstanden werden; vielmehr soll sie eine praktische, individuelle Methode sein, die den Pädagogen befähigt, dasjenige, was im Menschen latent vorhanden ist, zu wecken. Schüler:innen und Lehrpersonen bilden immer eine einzigartige Gemeinschaft, die das ganze Leben so prägt, dass Überschusskräfte frei und Fähigkeiten gebildet werden, über sich selbst hinaus zu wachsen.

Es ist Zdražil in seinem 78 Seiten umfassenden Buch «Waldorfpädagogik» gelungen, dieses tiefgründige Motiv zu durchleuchten und darzustellen. Er beschreibt akribisch, sachlich und gut dokumentiert die Intentionen Steiners und bringt ihren Kern für die Pädagogik auf den Punkt. Es ist das Verdienst dieses Buches, dabei das Wesen eines spirituellen Christentums abseits der Dogmen und einer traditionalistischen Exegese einzubeziehen und zu charakterisieren.

Eine empfehlenswerte Lektüre zum Mitdenken und Mitfühlen für alle pädagogischen Akteure!

Robert Thomas

  

 

Tomáš Zdražil, Waldorfpädagogik. «…aus Menschenerkenntnis heraus resultierende Liebe zum Menschen…», Verlag am Goetheanum, Dornach 2021.


Auch in: Schulkreis. Die Zeitschrift der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz, Winter 2021, S. 30.

 

 

 

 

mittelschulstufen:

lehrerbildung wohin? 

 

 

Die Ausbildung für Lehrpersonen von Mittelschulstufen (10.–12./13. Klasse) an den Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz ist nicht einmal eine Katastrophe. Sie ist auch nicht in einem misslichen Zustand. Sie ist nämlich gar nicht vorhanden. In dieser Situation plant die Atelierschule in Zürich ein neues kleines Seminar für die oberen Schulstufen.

In diesem Beitrag ist nicht die Rede von fachlicher Bildung und allgemeinen pädagogischen Ausbildungen wie Studiengängen zu Lehrdiplomen, die für Lehrpersonen vorauszusetzen sind, sondern von zusätzlichen Ausbildungen und Qualifikationen im Sinne der Waldorf- oder Rudolf-Steiner-Pä-dagogik für die Mittelschulstufe. In der Schweiz gibt es solche Ausbildungsgänge nicht. Gewiss, es gibt diese oder jene wertvolle Weiterbildungen an den Schulen oder vom gesamtschweizerischen Verband der Schulen, die nur zu fördern sind, aber niemals genügen können, um systematische Vertiefungen in die Waldorfpädagogik anzuregen. Daneben existieren entleerte Phrasen wie diejenige von den Konferenzen als laufendes Seminar, die das Absitzen von schuladministrativen Alltäglichkeiten oder die halbverstandene Lektüre von Texten Steiners mit waldorfpädagogischer Weiterbildung verwechseln.

Was sind die Folgen dieser Situation? Die Mittelschulstufen der Schweizer Steinerschulen haben Lehrpersonen, die sich irgendwie selbstständig – mehr oder weniger oder auch gar nicht – in die Waldorfpädagogik einarbeiten, und sind ansonsten darauf angewiesen, dass sich einzelne Lehrpersonen waldorfpädagogische Ausbildungen in Deutschland erwerben, wo es an verschiedenen Standorten Ausbildungen für die obere Schulstufe gibt. Die Suche und Einstellung neuer Lehrper- sonen, die Personalpolitik und die Angebote für nachwachsende Generationen waldorfpädagogisch qualifizierter Lehrpersonen sind unter diesen Umständen prekär, und das nicht nur auf der Mittel- schulstufe. Die Schulen bieten zwar einerseits sehr interessante Schulkulturen und viele freie Gestaltungsspielräume, zeigen aber andererseits auch veraltete Traditionen und wenig Innovationskraft. Zudem bieten sie vergleichsweise tiefe Gehälter und haben wenig Erfahrung sowie Ressourcen, um in der heutigen Zeit attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Hinzu kommt, dass die Schrumpfung und Überalterung der allgemeineren anthroposophischen Bewegung den Schulen weniger an einer Lehrerbildung interessierte Personen als früher zuführen. In Hinsicht auf waldorfpädagogische Qualifikationen leben die Schulen von der Hand in den Mund. Die Ausdünnung eines lebendigen Geistes der Waldorfpädagogik ist vorhersehbar. Die Zukunft wird schon verspielt, bevor sie begonnen hat.

 

Waldorfpädagogik – ein individueller Bewusstseinsweg

Eine lebendige waldorfpädagogische Praxis ist keine äusserliche, sondern eine innere Frage. Es geht nicht darum, akademisierte Diplome zu schaffen. Jeder weiss, dass Diplome wenig darüber besagen, ob eine Lehrperson vor den Schülerinnen und Schülern im Unterricht taugt. Der zunehmende Trend der Akademisierung und Spezialisierung von Studiengängen an den heutigen Hochschulen führt zwangsläufig zu einem weiteren Verblassen allgemeinbildender Fähigkeiten. Was nützt ein Germanistik-Studium, wenn eine Lehrperson beispielsweise mit Goethes Faust-Tragödie das reichhaltigste Werk der deutschsprachigen Literatur unterrichten soll, sich aber trotz Absolvierens hochspezialisierter Veranstaltungen an Universitäten noch nie mit Goethe und dem Faust-Stoff gründlicher beschäftigt hat? In einem solchen Fall fehlt jede Fachkenntnis, von einer Verarbeitung des Stoffs für die Allgemeinbildung junger Erwachsener und einer waldorfpädagogischen Methodik ganz zu schweigen. Natürlich lässt sich dies alles frei erarbeiten; aber welche Lehrperson und welche Schule hat bei der täglichen Bewältigung des Unterrichtsbetriebs die nötigen Mittel, die Motivation und Musse dafür? Die Waldorfpädagogik lebt von Lehrpersonen, die sich in sie einarbeiten, sie initiativ gestalten und weiterentwickeln. Sie ist ein freiheitlicher Bewusstseinsweg, der sich aus der von Steiner ausgehenden anthroposophischen Erkenntnis des Menschen speist, um die pädagogische Methodik und Praxis zu inspirieren. Nach mehr als hundert Jahren Waldorfpädagogik liegt ein reicher Erfahrungsschatz mit einer Vielfalt an Formen vor, und es besteht ein unendliches Potenzial für individuelle Praxis, Vertiefung und innovative Weiterentwicklung. Die waldorfpädagogische Methodik kann nur frei von individuellen Lehrpersonen erarbeitet und gelebt werden, sonst handelt es sich um Ideologie und schalen Kollektivismus. Zugleich lauern auf den Wegen der Freiheit viele Gefahren, denn Freiheit wird ständig von Täuschungen umlauert, die persönliche Willkür, Beliebigkeit und Selbstgerechtigkeit eingeben und das Übergehen selbstverständlicher Anforderungen des sozialen Handelns, des pädagogischen Handwerks oder der Wissenschaft zur Folge haben können. Es ist nur ein weitverbreitetes Vorurteil und ein grosser Irrtum, zu glauben, dass es irgendwo «die» Waldorfpädagogik oder «die» Anthroposophie als feststehende Grössen gibt. Zum Glück haben in der Wirklichkeit Waldorfpädagogen oder Anthroposophen oft mehr verschiedene Meinungen und Ideen, als Personen in einer Runde sitzen ...

 

Vorhandene Empfehlungen zur Lehrerbildung

Eine Arbeitsgruppe der Stiftung zur Förderung der Rudolf Steiner Pädagogik in der Schweiz befasste sich unlängst mit der Lage der waldorfpädagogischen Lehrerbildung an den Steinerschulen in der Schweiz. Das Ergebnis mündete in einer Reihe von Förderzielen der Stiftung und Empfehlungen zu- handen der Schulen. Als besonders förderungswürdig wurden erachtet: waldorfpädagogische Weiter- bildungen und Vertiefungskurse an den Schulen oder schulübergreifend; Praxis-Ausbildende an den Schulen zur Betreuung von Studierenden oder zur Einarbeitung neuer Lehrpersonen; Stipendien für Studierende von Ausbildungsgängen; waldorfpädagogische Module oder am besten der Aufbau eines Lehrstuhls für Waldorfpädagogik an einer Pädagogischen Hochschule. Diese langfristigen Förderziele gelten für alle Schulstufen und dürften ganz besonders auf die Mittelschulstufen zutreffen. Die Herausforderungen der gegenwärtigen Lage sind für die Schulen, die Schulbewegung und insbesondere die oberen Schulstufen enorm, da sie hier den Mangel an Ausbildungsgängen kompen- sieren müssen, was für die Schulen als zusätzliches Arbeitsfeld bedeutende zusätzliche Energien und Ressourcen erfordert. Diese Herausforderungen sind aber real vorhanden, wenn die Schulen nicht den Ast absägen wollen, auf dem sie sitzen. Seit den Empfehlungen der Stiftung konnte durch den schweizerischen Verband vor allem die waldorf-pädagogische Einarbeitung neuer Lehrpersonen durch Förderbeiträge an die Praxis-Ausbildenden in den Schulen verstärkt werden.

 

Seminarprojekt der Atelierschule

Als selbstständige Mittelschule von drei Zürcher Steinerschulen in Zürich, Adliswil und Winterthur steht die Atelierschule mitten in der skizzierten Problematik der Lehrerbildung. Die Atelierschule hat auf der Basis ihres Schulkonzepts mit vielen Weiterentwicklungen eine starke Wachstumsphase hinter sich. Sie ist heute mit weit über 300 SchülerInnen in drei- bis vierzügigen Parallelklassen (10.–13. Klasse) wohl international zu einer der grössten waldorfpädagogischen Mittelschulen herangewachsen. Die Frage der Lehrerbildung ist hier im Vergleich mit anderen Schweizer Steinerschulen noch dadurch verschärft, dass die Schule zugleich ein hohes Niveau an Qualifikationen für den Maturitätsabschluss und die weiteren Schulabschlüsse wie für die Waldorfpädagogik gewährleisten will. Das Kollegium hat ein reiches Spektrum von Lehrpersonen in allen grösseren Fachbereichen und – neben erfahrenen Lehrpersonen der Waldorfpädagogik aus der älteren Generation – viele jüngere Lehrpersonen, EinsteigerInnen aus anderen Schulen und Teilzeitstellen mit Lehrpersonen, die an mehreren Schulen unterschiedlichen Profils unterrichten. Die waldorfpädagogischen Qualifikationen reichen von vollständigen Ausbil- dungsgängen, die meist in Deutschland absolviert wurden, über langjährig selbst erarbeitete Kom- petenzen bis zu Unkenntnis, fehlender Auseinandersetzung und blosser Sympathie mit einzelnen Elementen des besonderen Schulkonzepts.

In den letzten Jahren praktizierte die Schule verschiedene Formen von waldorfpädagogischen Wei- terbildungen: jährlich seminaristische Kurse im Kollegium, Tagungen mit Dozent:innen von aussen, ein Jahreskurs über Grundlagen der Waldorfpädagogik in Blöcken mit namhaften Dozent:innen und ein kontinuierlich laufendes Coaching zur Waldorfpädagogik für interessierte neue und bestehende Lehrpersonen.

Nun projektiert die Atelierschule als neue Einrichtung ein kleines Seminar für Lehrpersonen der Sekundarstufe II und in Kooperation mit der Rudolf Steiner Schule Zürich am Standort für die Sekundarstufe I, das allen Interessierten offensteht. Bewusst wird das Seminar von der oberen Schul- stufe ausgehen und thematisch das Verständnis des Jugendalters aus anthroposophischer Sicht im Mittelpunkt stehen. Im Geiste der Freiheit und der Maxime, dass alle Erziehung Selbsterziehung des Menschen ist, möchte das Seminar individualisierte und gemeinschaftliche Wege zum Kennenlernen, Vertiefen, Erforschen und Weiterentwickeln waldorfpädagogischer Grundlagen und Praxis entwickeln und anbieten, die möglichst an unterschiedliche Voraussetzungen, Ausrichtungen, lebendige Interessen und individuelle Impulse von Lehrpersonen anknüpfen. Noch steckt das Projekt in den spannenden, ersten Kinderschuhen. Für das Schuljahr 2022/23 ist die Eröffnung und ein vorbereitendes Jahr mit ersten Weiterbildungsangeboten geplant. Für das Schuljahr 2023/24 wird der Beginn eines eineinhalbjährigen, berufsbegleitenden Ausbildungsgangs geprüft, dessen Konzept, Curriculum und Methodik von einer Projektgruppe bereits entworfen wurde und der für interessierte Lehrpersonen zu einer waldorfpädagogischen Zusatzqualifikation führen soll.

Cornelius Bohlen

 

 


Aus: Schulkreis. Die Zeitschrift der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz, Frühjahr 2022, S. 56–59.

 

 

 

 

plattform für impulse

 

Eines der Ziele des Seminars ist es, eine kleine Plattform zu bilden für zukunftsfähige waldorfpädagogische Impulse, für aktuelle Themen von Unterricht, Schulentwicklung, Forschung und Praxisforschung. Das können thematische oder methodische Unterrichtsprojekte, die Ausarbeitung oder Umsetzung neuer Ideen, kollegialer Austausch an Tagungen oder Workshops, die Entwicklung praktischer Handreichungen für Lehrpersonen oder Projekte der Schul- und Selbstverwaltung usw. sein.

Als einfache Plattform für Online-Publikationen nimmt Impulse als digitales Magazin seinen Namen von diesem Arbeitsfeld des Seminars neben dem angelaufenen Tätigkeitsfeld von Weiterbildungsangeboten und dem für 2023-24 vorgesehenen Beginn eines Ausbildungskurses.

  

 

jahresthema weiterbildungsangebote

 

Für die Weiterbildungsangebote des Seminars im Schuljahr 2022–23 sind Aspekte zur Frage der Willenserziehung das Thema. Die klassische Dreiheit der Seelenkräfte von Denken, Fühlen und Wollen wurde von Steiner allgemein und für die Pädagogik stark differenziert und vertieft. Allem, was der Mensch tut, liegt Wille zugrunde. Gefragt wird, wo wir heute in Bezug auf diesen Aspekt der Erziehung stehen.

Eine Sammlung von Angaben Steiners zum Thema liegt in folgendem Buch vor:

Willenserziehung. Sechzig pädagogische Angaben Rudolf Steiners, herausgegeben und eingeleitet von Valentin Wember, Stratosverlag, 4. Auflage, Tübingen 2021.

Das gesamte Programm der Weiterbildungen mit öffentlichen Vorträgen und Workshops für Lehrpersonen und Interessierte findet sich hier:

 Weiterbildungen 2022-23

 

Redaktion

 

 


 

 

IMG 5191 v2